Der Zahn der Zeit oder: Warum Vampire keine Vollblutmusiker werden
Vampire.
Wer hätte gedacht, dass diese längst toten Wesen eine derartige Renaissance erleben würden?
In Literatur und Film bereits schon fest totgeglaubt, sind die dunklen Gestalten der Nacht gerade in jenen Medien wieder unsterblich. Ja, die Untoten haben das Buch- und Filmgeschäft erneut mit Leben erfüllt.
Das kommt nicht von ungefähr: Gerade heute, in Zeiten von Geldgier, Managerabzocke und Bankenkrise, sind Blutsauger und Raffzähne ja hochaktuell.
Doch der Zahn der Zeit nagte auch hier, und deshalb erhielten die einst finsteren Kreaturen natürlich ein modernes Upgrade – die neuen Vampire sind zwar immer noch bleich aussehende, aber gut gestylte Teenager, was sie vom Aussehen her von anderen Jugendlichen, die die Nächte durchzocken, nicht unterscheidet. Zudem haben sie auch deren Probleme: Will man mal den Mund aufmachen, muss man ihn halten, und ja, mit dem Zurückbeißen ist es auch nicht besser.
Tja, nicht ran zu dürfen oder zu können, das kennt jeder von uns. Und es sind ausgerechnet die modernen Vampire, die sich in vornehmer Zurückhaltung üben, was ja eine äußerst altmodische Einstellung ist. Das ist verständlich: Obwohl sie als blutige Anfänger auftreten, sind sie doch schon sehr betagte Geschöpfe. Ein weiteres Problem: Vampire altern nicht, was einen in der Pubertät schon zur Verzweiflung treiben kann. Zum Ausgleich benötigen sie keine Altersvorsorge, obwohl ein Depot auf einer Blutbank nicht von Nachteil sein dürfte.
Zum Ausgleich haben die heutigen Vampire Superkräfte – statt sich in Fledermäuse zu verwandeln, springen sie im Affenzahn durch die Gegend, sind mordsmäßig stark und haben ausgeprägte Sinne. Sogar einen für Humor. Neben spitzen Zähnen verfügt so mancher Vampir auch über eine spitze Zunge.
Und sie können neuerdings unbehelligt im Tageslicht herumlaufen – ein Vorteil, der bei ihren Vorgängern noch jede Menge Staub aufgewirbelt hätte. Ja, die neuen Zecken in Menschengestalt sind auf Zack.
Und sie mögen Menschen – nun allerdings nicht mehr als Blutspender, sondern als Freunde, ja sogar als Geliebte. Wobei Letzteres nicht neu ist: Bereits Graf Dracula war ein kaltblütiger Verführer und warf sich jedem blutjungen Ding regelrecht an den Hals. Dracula hatte eben noch Biss und schnell Blut geleckt: Wo früher kein steiler Zahn vor dem berüchtigten Grafen sicher war, beißen seine Erben heute die Zähne zusammen. Sie saugen sich nicht einmal mehr was aus den Fingern anderer. Und ernähren sich deshalb von Alternativen: Blutegel, Blutwurst oder, wer es vegan mag, Blutorangen.
Aber was fasziniert uns nun wirklich an Vampiren?
Ja, gut, sie zeigen Zähne, was wir – Hand aufs Herz – auch mal gerne tun würden.
Sie sehen gut aus und hüllenlose, lüsterne Weiber räkeln sich immer lasziv vor ihnen herum.
Und sie sind natürlich Charmebolzen, die das Blut ihrer Partner zwar in Wallung bringen, aber letztlich selbst ruhig Blut bewahren. Während es die anderen schüttelt, sind sie nicht einmal gerührt. Das ist selbst für Untote gelebte Coolness.
Und ja, sie sind unsterblich und altern nicht. Ein unerreichtes Vorbild für alle Wellnessromantiker, das zudem auch noch den Hauch unsterblicher Liebe verströmt – der Stoff für große Romanzen.
Dabei darf man aber die Nachteile des Vampirdaseins nicht übersehen: Man denke nur an die aufwendige Gebisspflege – ein Blutbad. Oder daran, dass es unter Vampiren keine Blutsbrüder gibt. Und obwohl ihnen der Rhythmus vielleicht im Blut liegt, werden aus ihnen vermutlich keine Vollblutmusiker. Freilich, es mag röhrende Vamps und in Musicals singende wie tanzende Vampire geben, aber so ein richtiger Edelzahn-Rocker? Oder ein Schlagersänger im Fledermauskostüm? Nein, da sind ja Zombies noch fetziger. Schade eigentlich, denn eine rockende Blutgruppe könnte sicherlich eine legendäre Schlachtplatte aufnehmen.
Und auch Vampire müssen kämpfen, sie haben ebenfalls Feinde – die Werwölfe. Das sind mittlerweile sexy Jungs, denen sich plötzlich die Haare sträuben, die umgehend auf allen Vieren laufen und zudem noch mit dem Schwanz wedeln können. Ja, der Werwolf lebt heute im muskulösen und glatt rasierten Mannespelz, welcher nach Rückverwandlung nicht mehr als solcher zu erkennen ist. Was immer wieder die Frage aufwirft: Wer war der Wulff nochmal?
Nun, Vampire sind mystische und legendenhafte Wesen. Wo sie wirklich herkommen, liegt im Dunkeln. Zumindest setzen sie sich nach wie vor gepflegt und stilvoll in Szene, haben keine Haare auf den Zähnen, jaulen nicht ständig oder haben schlechte Manieren wie etwa Frankensteins Monster, das plump auf allem herumgetrampelt ist.
Und ja, von den modernen Vampiren könnten sogar Politiker, Manager und Banker etwas lernen: Andere bis aufs Blut auszusaugen und sie dann für die eigenen Fehler auch noch bluten zu lassen, ist zwar mysteriös, macht aber niemanden zur Legende.
Die Gier jedoch im Griff zu halten, seine Sucht nach frischem Blut zu zähmen und die Liebe über den eigenen Trieb zu stellen, ja - wir sollten uns einmal bezüglich dieser Tugenden auf den Zahn fühlen.
Und uns mit Herzblut für ihre Umsetzung einsetzen – auch auf die Gefahr hin, dass ein Vampir dabei auf andere Gedanken kommen könnte …
Einen Augenblick für die Woche. Und einen Moment für die Zukunft.
Was war heute für ein Tag?
Nun, die Woche ist an mir in einem Zug vorbeigerauscht. Da fällt es einem oft schwer, die Spur zu halten und im Gleis zu bleiben.
Ja, die Zeit.
Bald ist wieder Zeitumstellung.
Und ja, man muss sich mit der Zeit schon umstellen.
Wir sind am Sonntag ja plötzlich eine Stunde schneller in der Zukunft.
Obwohl wir eine Stunde später haben, sind wir früher dran.
Ich sehe schon, wir brauchen nicht mehr Zeit, sondern mehr Zukunft.
Ja, die Zukunft.
Die Zukunft – ein Rätsel.
Warum sind wir nicht in der Lage, sie vorherzusehen?
Und - können wir sie eigentlich frei gestalten oder ist sie vorherbestimmt?
Nun, wäre die Zukunft vorherbestimmt, könnten wir morgen im Bett liegen bleiben, denn es würde ja passieren, was passieren müsste. Um aber überhaupt die Entscheidung treffen zu können, morgen im Bett liegen zu bleiben, müsste die Zukunft frei wählbar sein. Und haben wir uns dann entschieden, morgen im Bett liegen zu bleiben, könnte dies ja auch schon vorherbestimmt gewesen sein.
Hmm.
Auch Vorhersagen sind wenig hilfreich.
Nur eine vorherbestimmte Zukunft wäre ja vorhersehbar. Aber die Prognosen würden uns nicht viel nützen, schließlich könnten wir an der Zukunft rein gar nichts ändern.
Bei einer freien und unbestimmten Zukunft ist mit Vorhersagen auch nicht viel anzufangen – es kommt ja schließlich immer anders.
Selbst bei einer Zukunft, die auf Ursachen der Gegenwart reagiert, dürften wir das Vorauswissen nicht anwenden. Denn jede noch so kleine Veränderung in der Gegenwart hätte eine andere Zukunft zur Folge und die Prognose wäre damit bedeutungslos.
Hmm.
Dass die Zukunft ihr Geheimnis nicht preisgibt, ist eine Gunst des Schicksals.
Denn das Unbekannte ist damit der Raum, in dem wir uns noch frei bewegen können. Die Zukunft ist also das, was wir aus ihr in der Gegenwart machen (können).
Vielleicht gibt es ja aber doch eine vorausschauende Verbindung zur Zukunft?
Nun, ich glaube, die Zukunft ist die Summe aller Möglichkeiten.
Also alles, was wir irgendwann erleben können, ist in der Zukunft schon vorhanden – als Möglichkeit.
Es ist unsere Entscheidung, welche Wirklichkeit in jedem Moment aus den künftigen Möglichkeiten entsteht.
Wäre es nun denkbar, dass sich diese zukünftigen Optionen in unserem heutigen Leben bereits auswirken oder dass sie irgendwie Kontakt mit uns aufnehmen können?
Vielleicht in Form von Botschaften?
Möglicherweise als Ahnungen, Träume, Visionen?
Stellen wir uns doch einmal vor, von Ihnen und mir existieren (hoffentlich!) Versionen in der Zukunft.
Natürlich sind diese Zukunfts-Ichs noch nicht real, aber als Möglichkeit ja schon vorhanden.
Können diese Zukunfts-Ichs Einfluss auf unser Leben nehmen?
Vielleicht senden sie uns Nachrichten?
Möglicherweise als spontane Ideen?
(Wo kommen denn die Geistesblitze sonst her?)
Oder mittels Intuition?
(Woher nimmt der Bauch sein Gefühl?)
Per sechstem Sinn?
(Ein Draht aus der Zukunft?)
Durch die innere Stimme?
(Wer flüstert uns da heimlich was zu?)
Hmm.
Wäre dem so, hätten diese Zukunfts-Ichs unser Leben ja bereits beeinflusst.
Erhielten wir vielleicht schon irgendwelche Botschaften?
Hatten wir Träume?
Ahnungen?
Visionen?
Denken Sie einmal darüber nach, welche spontanen Begebenheiten, Zufälle und intuitiven Entscheidungen Ihr Leben bisher beeinflusst haben.
Kommt Ihnen da manches nicht merkwürdig vor?
Hören wir also einmal auf unsere innere Stimme – womöglich hat sie ja eine Botschaft für uns aus unserer Zukunft?
Eventuell erkennen wir sogar ein mögliches Zukunfts-Ich?
Vielleicht eines, das wir jetzt verwirklichen könnten?
Ein wunderbares Wochenende mit viel Zeit für die Zukunft Ihres Ichs wünscht Ihnen Ihr Oliver W. Schwarzmann
Wir müssen nicht Zeit, sondern die Zukunft gewinnen.
Das neue Griechenlandrettungspaket hat in der EU Gewicht, immerhin ist es mehr als 130 Milliarden Euro schwer und soll das verschuldete Land um einiges erleichtern. Es wird allerdings keine Defizite ausgleichen, sondern nur Löcher stopfen, denn es ist schon zum Abdecken bestehender Kredite vorgesehen.
Freilich, man hat sich damit Zeit erkauft, aber auch in die Zukunft investiert?
Jeder Kredit ist eine Verabredung mit der Zukunft. Zu der man dann pünktlich kommen und Geld dabei haben sollte. Letzteres ist künftig nur vorhanden, wenn man die Zeit klug für die Zukunft zu nutzen weiß. Wer nur Schulden mit Schulden begleicht, ist dann schuld, wenn auch in Zukunft kein Geld da ist. Es gibt zudem kaum einen Kredit, der neues Wachstum erzeugt, außer seinem eigenen – wenn man ihn lässt. Auch Sparsamkeit ist in einer solchen Krise nicht mehr nur notwendige Zurückhaltung, denn um auf die tatsächlichen Kosten zu kommen, zahlen andere einen hohen Preis. Einen Preis, der sie letztlich sozial ausspart.

Es ist richtig, dass Griechenland Hilfe erhält.
Und es ist richtig, damit Forderungen zu verknüpfen, wie etwa die, Steuerschulden einzutreiben und die Bürokratie effizienter zu machen.
Was aber am wichtigsten ist: Das viele Geld wäre schlecht investiert, um lediglich eine Pleite hinauszuzögern. Eine Investition entfaltet nur dann wirkliche Kraft, wenn sie eine positive Perspektive besitzt.
Es ist jetzt also an der (erkauften) Zeit, um über die Chancen der Zukunft nachzudenken.
Und das gilt nicht nur für den griechischen Staat, sondern auch für dessen Gläubiger – die Geldgeber sollten mit ihrem Rettungspaket die Hoffnung auf eine neue Zukunftsperspektive Griechenlands verknüpfen.
Apropos Gläubiger: Erst wenn man jemandem Glauben schenkt, macht es Sinn, ihm auch Geld zu leihen. Dann muss derjenige auch nicht Berge versetzen, sondern kann selbst seinen Aufstieg schaffen. Das sollten wir den Griechen einfach mal zutrauen. Irgendwann in Zukunft werden sie oben ankommen, und dann ist die Zeit da für einen richtigen Gipfel.
