Einen Augenblick für die Woche
Was war heute für ein Tag?
Nun, der Freitag ist ja irgendwie etwas Besonderes – ein Tag in der Vorfreude auf das Wochenende, ein Tag für Resümees. Ein Tag mit vielen Themen. Und ein Tag, um nachmittags in den Baumarkt zu gehen und sich eine Bohrmaschine zu kaufen, um sich am Wochenende in den eigenen vier Wänden mal wieder als der Held zu zeigen, der dicke Bretter bohren kann. Apropos Held - bereits Robinson Crusoe fand schon Gefallen am Freitag.
Nun, die Tage von Montag bis heute vergingen ruckzuck; es ist ein Los mit der Zeit. Es war ja auch einiges los: Karneval, Frühling, Gauck - alles in einer Woche und scheinbar irgendwie miteinander verknüpft.
Die Masken sind gefallen, die Hüllen wieder angelegt. Auch das schöne Wetter hat gefallen, man konnte die Hüllen für kurze Zeit wieder ablegen.
Ein Hauch von Frühling war zu spüren, ja Sonnenenergie – einfach elektrisierend! Man fühlt sich sofort auf Draht.
Und Gauck wird also Bundespräsident. Das ist für ihn wie ein zweiter Frühling, obwohl er ja schon lange in wilder Ehe lebt mit seiner Second Lady sozusagen.
Und von Wulff hört man nach dem Medienecho schon nichts mehr. Ob man nach einem Skandal auch weiterhin gute Freunde hat, selbst wenn man sich bei ihnen nichts zu Schulden kommen lässt? Das Thema Wulffs war Integration. Nun, Integration ist, jemanden für sich einzunehmen, ohne von jemandem etwas anzunehmen.
Annehmen können wir, dass auch Gauck verbindlich wirken will und den Osten, wo die Sonne aufgeht, und den Westen, wo sie untergeht, zusammenführen möchte. Das ist wichtig, denn die Mauer war nicht nur ein Fall für sich. Aber es ist auch nicht alles. Gauck muss als strahlende Persönlichkeit im Zenit stehen und dabei besonnen handeln. Wenn er damit den Horizont erweitern kann, wird sich vermutlich viel um ihn drehen.
Zum Freitagmittag gab es was Vegetarisches. Nun, das ist weder Fisch noch Fleisch. Es war ok, ich wurde schnell grün mit dem jungen Gemüse.
Apropos junges Gemüse: Nach dem Essen habe ich mir Gedanken über das Altern gemacht. Nun, mit der Zeit hängt viel an einem. Und man fragt sich, ob und man bejaht das, was man wohl verpasst hat. Was wäre wenn? Hmm … wenn wir das schon früher gewusst hätten, was wir heute wissen, dann wüssten wir heute etwas ganz anderes. Wir hätten ja völlig andere Entscheidungen getroffen. Wir wären andere. Und würden uns über unsere anders getroffenen Entscheidungen vermutlich genauso ärgern.
Was ist sonst noch passiert?
Griechenland scheint gerettet, vorerst. Wie ich es schon geschrieben habe: Man muss nicht Zeit, sondern die Zukunft gewinnen. Geld ist kein Ersatz für Visionen. Die Herkulesaufgabe darf zu keiner Irrfahrt werden. Die Griechen werden, so hoffe ich, die Zeit nutzen für neue Heldentaten.
Was war noch?
Ach ja, der Bachelor hat seine Masterin gefunden. Sie ist aber wohl schon wieder auf und davon. Ja, diese Fern(seh)beziehungen sind einfach zu weit weg. Und – Hand aufs Herz – aus der Nähe betrachtet, ist das Fernsehen oft keinen Blick wert. Dennoch ist es wichtig: So wie das Fernsehen in den 1950er – 1970er Jahren die Familien am Samstagabend vor der Flimmerkiste vereinte, so vereinfacht das TV künftig unser Leben. Der Alltag wird doch immer komplizierter, weshalb wir etwas brauchen, was alles überschaubar macht. Und hierfür ist das Fernsehen prädestiniert; konsequent wäre es, wenn man das Schwarz-Weiß-Fernsehen wieder einführen würde. Das Kino hat den Trend schon verstanden, nicht umsonst macht der Stummfilm „The Artist“ von sich reden und ist ein absoluter Oscar-Favorit.
In einer lauten Welt kommen nun die leisen Töne an. Doch während die einen verstummen, schreien andere um so lauter. Vor allem vor allen Jurys bei den vielen Castings, wo junge Menschen sich beschauen und freiwillig (aus-)mustern lassen. Mit viel Schauwert.
Doch - beschaulich ist das nicht.
Und man fühlt sich als einfacher Mensch auch so langsam unter Druck gesetzt von all den Superstars, Supertalenten, Supermodels und Superköchen.
Es ist nicht mehr super, normal zu sein, denn es ist normal, super zu sein.
Das ist doch nicht mehr normal.
Was weder Super noch Normal ist, ist das, was an den Zapfsäulen gerade in unseren leeren Tank tropft. Die Spritpreise sind die Höhe. Kein Wunder, dass die Menschen die Nase voll haben. Aber eben nur die. Die Abzocker zucken nur mit den Achseln – es ist halt der Markt, sagen sie. Es läuft eben nicht mehr wie geschmiert. Vielleicht ist es ein Fortschritt, mal wieder zu Fuß zu gehen.
Oder anders: Wir drehen einfach durch.
Besser verrückt, als auf der Stelle zu treten.
Und als Verrückter muss man sich auch nicht an Superlativen messen lassen, man fällt eh aus dem Rahmen.
Und keiner kann sich ein Bild von einem machen.
Vielleicht ist das normal.
So, jetzt ist es Zeit zu gehen.
Ein wunderbares Wochenende für Euch alle – lasst uns mal für die nächsten Tage beide Augen zudrücken.
Dann sind wir am Montag bestimmt ganz schön ausgeschlafen.
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Wir müssen nicht Zeit, sondern die Zukunft gewinnen.
Das neue Griechenlandrettungspaket hat in der EU Gewicht, immerhin ist es mehr als 130 Milliarden Euro schwer und soll das verschuldete Land um einiges erleichtern. Es wird allerdings keine Defizite ausgleichen, sondern nur Löcher stopfen, denn es ist schon zum Abdecken bestehender Kredite vorgesehen.
Freilich, man hat sich damit Zeit erkauft, aber auch in die Zukunft investiert?
Jeder Kredit ist eine Verabredung mit der Zukunft. Zu der man dann pünktlich kommen und Geld dabei haben sollte. Letzteres ist künftig nur vorhanden, wenn man die Zeit klug für die Zukunft zu nutzen weiß. Wer nur Schulden mit Schulden begleicht, ist dann schuld, wenn auch in Zukunft kein Geld da ist. Es gibt zudem kaum einen Kredit, der neues Wachstum erzeugt, außer seinem eigenen – wenn man ihn lässt. Auch Sparsamkeit ist in einer solchen Krise nicht mehr nur notwendige Zurückhaltung, denn um auf die tatsächlichen Kosten zu kommen, zahlen andere einen hohen Preis. Einen Preis, der sie letztlich sozial ausspart.

Es ist richtig, dass Griechenland Hilfe erhält.
Und es ist richtig, damit Forderungen zu verknüpfen, wie etwa die, Steuerschulden einzutreiben und die Bürokratie effizienter zu machen.
Was aber am wichtigsten ist: Das viele Geld wäre schlecht investiert, um lediglich eine Pleite hinauszuzögern. Eine Investition entfaltet nur dann wirkliche Kraft, wenn sie eine positive Perspektive besitzt.
Es ist jetzt also an der (erkauften) Zeit, um über die Chancen der Zukunft nachzudenken.
Und das gilt nicht nur für den griechischen Staat, sondern auch für dessen Gläubiger – die Geldgeber sollten mit ihrem Rettungspaket die Hoffnung auf eine neue Zukunftsperspektive Griechenlands verknüpfen.
Apropos Gläubiger: Erst wenn man jemandem Glauben schenkt, macht es Sinn, ihm auch Geld zu leihen. Dann muss derjenige auch nicht Berge versetzen, sondern kann selbst seinen Aufstieg schaffen. Das sollten wir den Griechen einfach mal zutrauen. Irgendwann in Zukunft werden sie oben ankommen, und dann ist die Zeit da für einen richtigen Gipfel.
