S21: Schlossgarten geräumt – nicht der Schnee von gestern, sondern Demonstranten saßen dem Fortschritt wohl im Weg

In Stuttgart versteht man nur Bahnhof – immer noch und jeder auf seine Weise. Das Projekt ist irgendwie völlig auf die schiefe Bahn geraten, so hat man das Gefühl. Und es muss endlich aufs richtige Gleis kommen.

Auch die, die ihren Protest verfolgen, sollten auf diesen Zug nun endlich aufspringen. Das heißt nicht, man muss die Kritik aufs Abstellgleis schieben, den Kopf auf Durchzug stellen und nur noch nach der Pfeife anderer tanzen. Nein, aber hier hat die Mehrheit ihr Urteil gefällt, und das muss man sich nun gefallen lassen. Das zu akzeptieren, was einem nicht passt, ist ein Zeichen für Größe. Und man sollte immer beweglich bleiben, so mancher Standpunkt steht einem oft selbst im Weg. Gut ist, dass gestern niemand einen großen Stein in den Garten geworfen und die Polizei ihre tragende Rolle ernst genommen hat. Anders als am 30.09.2010 – das war der Tag, an dem Stuttgart seine schwäbische Gemütlichkeit verlor.

Auch wenn es jetzt in Stuttgart zügig vorangehen sollte - ob alles letztlich ein guter Zug war, wird sich ohnehin erst in den kommenden Jahren zeigen. Und ob dabei alle auf ihre Kosten kommen oder was dem Ganzen doch noch einen weiteren Strich durch die Rechnung macht, wird man am Ende zusammenzählen müssen.
Nun, es besteht Hoffnung:
Schon viele Projekte mussten sich gegen große Widerstände ihren Weg in die Zukunft bahnen. Was meist anfangs nicht gut ankommt, ist zum Schluss gar nicht mehr wegzudenken.
Ja, es ist eine abgefahrene Welt:
Manchmal – leider viel zu oft – ist der Fortschritt zum Davonlaufen, manchmal muss man dem Fortschritt aber auch seinen freien Lauf lassen. Wer sich damit ganz und gar nicht abfinden will oder kann, wird umsteigen müssen. Ansonsten könnte ihn die Zukunft überholen.